Hannes Weninger

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Friedrich Engels

Friedrich Engels war ein deutscher Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Journalist und kommunistischer Revolutionär.

Darüber hinaus war er ein erfolgreicher Unternehmer in der Textilindustrie. Er entwickelte gemeinsam mit Karl Marx die heute als Marxismus bezeichnete Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie.

Neben Karl Marx war Friedrich Engels einer der Gründerväter des «wissenschaftlichen Sozialismus»: der theoretischen Ideen, die heute allgemein als Marxismus bekannt sind. Am 28. November 2020 feiern wir seinen 200. Geburtstag.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Marx und Engels dauerte etwa 40 Jahre. Sowohl im Leben als auch im Tod stand Engels jedoch immer im Schatten der unbestreitbaren Genialität von Marx. Engels wird oft als zweite Geige nach Marx angesehen. Selbst Engels nährte diese Ansicht häufig. In der Tat war Engels äußerst zurückhaltend und bescheiden und betonte stets die wichtige Rolle von Marx gegenüber seiner eigenen. „Was ich beigetragen, das konnte – allenfalls ein paar Spezialfächer ausgenommen – Marx auch wohl ohne mich fertigbringen“, schrieb Engels.

„Was Marx geleistet, hätte ich nicht fertiggebracht. Marx stand höher, sah weiter, überblickte mehr und rascher als wir andern alle. Marx war ein Genie, wir andern höchstens Talente. Ohne ihn wäre die Theorie heute bei weitem nicht das, was sie ist. Sie trägt daher auch mit Recht seinen Namen.“ (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, S. 291)

Trotz dieser Bescheidenheit ist es unbestreitbar, dass Engels einen umfassenden und herausragenden Beitrag zur marxistischen Theorie geleistet hat.

Friedrich Engels: Leben und Wirken

Schon mit 17 Jahren verlässt Friedrich auf Drängen des Vaters das Gymnasium, um möglichst bald im Familienunternehmen arbeiten zu können. Dafür absolviert er eine kaufmännische Lehre in Bremen. Ab 1839 verfasst er unter dem Pseudonym Friedrich Oswald journalistische Beiträge. Engels leistet 1841 und 1842 seinen Militärdienst in Berlin als Einjährig-Freiwilliger, wo er Vorlesungen an der Humboldt-Universität besucht und Verbindung zu den Junghegelianern aufnimmt. Die erste, noch kühle Begegnung mit Karl Marx findet am 16. November 1842 in der Redaktion der Rheinischen Zeitung in Köln statt.

Die Jahre 1842 bis 1844 sollten prägend für ihn werden. Noch in der kaufmännischen Ausbildung in der Baumwollspinnerei „Ermen & Engels“ in Manchester wird er mit den Auswüchsen des sprichwörtlichen „Manchester-Kapitalismus“ konfrontiert. Seine Eindrücke und politisch-soziologischen Analysen verarbeitet er in der 1845 erschienenen Schrift „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“. Nach einem Besuch 1844 in Paris beginnt die intensive Zusammenarbeit mit Karl Marx. Engels verfasst Beiträge für die „Deutsch-Französischen Jahrbücher“. Drei Jahre später verfasst er im Auftrag der Pariser Mitglieder des „Bundes der Kommunisten“ die „Grundsätze des Kommunismus“.

Ein Gespenst geht um in Europa

Im Februar 1848 veröffentlichen Engels und Marx das „Manifest der Kommunistischen Partei“. Es schließt mit dem berühmten Aufruf „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ und wird zur programmatischen Grundlage späterer sozialdemokratischer, sozialistischer und kommunistischer Parteien.

Der britische Historiker Tristram Hunt schreibt über Friedrich Engels: „Den sowjetischen Kommunismus des 20. Jahrhunderts hätte dieser Liebhaber des guten Lebens nie gebilligt, so sehr ihn der Stalinismus auch als geistigen Vater beschwor. Denn Engels war weder Gleichmacher noch Etatist (jemand, der den Staat höher gewichtet als die Gesellschaft), sondern leidenschaftlicher Verfechter der Individualität und des offenen Kampfs von Ideen.“

Von 1850 bis 1869 arbeitet Engels wieder in Manchester. Mit seinen Einkünften unterstützt er die Familie Marx. In dieser Zeit entwickelt er sich zum Militärexperten – daher der Spitzname „General“ - studiert Sprachen und Geschichte vor allem der slawischen Völker. Er sollte schließlich zwölf Sprachen aktiv und zwanzig passiv beherrschen.

Engels lebt mit Mary Burns, einer irischen Arbeiterin, ohne Trauschein zusammen, für damalige Zeiten ungewöhnlich. Engels hält engen brieflichen und persönlichen Kontakt zu Marx in London, wo im September 1867 der erste Band von Karl Marx „Das Kapital“ erscheint. Dies wurde nur möglich durch Engels finanzielle und in Fragen der Ökonomie beratende Unterstützung.

1870 zieht er mit Lizzie Burns, Schwester der 1863 verstorbenen Mary, nach London. Auf Vorschlag von Marx wird er zum Mitglied des Generalrats der „Internationalen Arbeiterassoziation“ (Erste Internationale) gewählt. In den 1870er-Jahren verfasst er die Schrift „Dialektik der Natur“, in der er die Grundzüge des dialektischen Materialismus umreißt. In einer Beitragsserie im „Vorwärts“ veröffentlicht Engels unter Mitwirkung von Marx 1877/78 „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft“ (der sog. „Anti-Dühring“). Im Beitrag „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“, der auf den „Anti-Dühring“ aufbaut, definiert Engels die Grundsätze des   historischen Materialismus. Nach dem Tod von Karl Marx (14.3.1883) widmet sich Engels der Bearbeitung und Herausgabe von Karl Marx´ Werken und vollendet u.a. den zweiten Band des „Kapitals“, der 1885 erscheint.

Nach Aufhebung der Sozialistengesetze 1890 nimmt Engels Einfluss auf die Entwicklung der Sozialdemokratie und auf das Erfurter Programm der SPD von 1891. 1893 nimmt Engels als Ehrenvorsitzender am Züricher Kongress der „Zweiten (Sozialistischen) Internationale“ teil, die 1889 in Paris gegründet worden war.

Neun Jahre arbeitet er an der Veröffentlichung des dritten Bands des „Kapitals“ 1895. Friedrich Engels stirbt am 5. August 1895 in London an Kehlkopfkrebs. Seine Asche wird, seinem letzten Willen entsprechend, im Meer versenkt (im Ärmelkanal, fünf Seemeilen von Eastbourne). In Wuppertal steht das denkmalgeschützte Engels-Haus, das Haus des Großvaters von Friedrich Engels. Es wurde zum 200. Geburtstag nach aufwendiger Sanierung und funktionaler Ertüchtigung inkl. neu konzipierter Dauerausstellung wiedereröffnet.

Quelle: Bergauer, Anton; The General; in Der Sozialdemokratische Kämpfer; Dezember 2020

WEBTIPP:

Friedrich Engels-Haus: www.friedrich-engels-haus.de

LEMO – Lebendiges Museum Online: https://www.dhm.de/lemo/biografie/friedrich-engels

Lernhelfer.de: https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/geschichte/artikel/friedrich-engels#

Wikipedia.org: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Engels

VGA: Korrespondenz Victor Adler - Friedrich Engels

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